Die Pathologisierung der Kindheit

Eltern stehen heute vor Herausforderungen, die sie sich nicht hätten träumen lassen. Die Binsenweisheit, dass jeder Mensch absolut einzigartig ist, seine Stärken und Schwächen mitbringt und selbstverständlich immer nur mit sich selbst verglichen werden kann, scheint mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Die Phase der Kindheit wandelt sich mehr und mehr zu einer Zeit, in der jeder Mensch seine Diagnose gestellt bekommt, die ihn lebenslang zum Behinderten stempelt, zumindest in seinen eigenen Augen.

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Sie finden diese Ansicht übertrieben? – Dann schauen Sie sich in Ihrer nächsten Umgebung um! Wer sich heute überhaupt noch im Dunstkreis von Kindern bewegt, kann spielend mindestens fünf Fälle aufzählen, in denen Kinder regelmäßig eine Psychotherapie in Anspruch nehmen oder aber ärztlich verordnet schwere Drogen einnehmen, gegen ADS, ADHS, zur Steigerung der Konzentration oder zur Beruhigung.

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Wer früher ein »lebhaftes Kind« oder ein »Zappelphilipp« war und seinen Energieüberschuss bei wilden Spielen nachmittags im Freien austobte, nennt sich heute »ADHSler« und wird mit Methylphenidat zur Räson gebracht. Ruhige Träumerchen, die ständig ein wenig abwesend scheinen, hießen früher »Hans-guck-in-die-Luft«. Sie gibt es inzwischen auch nicht mehr: Heute »leiden sie unter ADS«, was ebenfalls eine entsprechende Medikation nach sich zieht, da das »Problembewusstsein für Auffälligkeiten in der Kindheit« gewachsen ist.

Nun will ich natürlich nicht abstreiten, dass es tatsächlich Fälle gibt, in denen Kinder dringend Hilfe brauchen, weil ihr Seelenleben aus dem Ruder läuft. Schließlich leben sie in einer durch und durch denaturierten Welt. Wären sie Tiere, stünde längst der Tierschutzbund da und würde Fragen stellen wie:

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  • Ist es artgerecht, stundenlang in der Schule stillsitzen zu müssen?
  • Ist es artgerecht, Tonnen von Zucker in sich hineinzuschaufeln, bei gleichzeitiger fehlender Bewegung?
  • Ist es artgerecht, schon im Kindesalter unter Notendruck gesetzt zu werden, im Hinblick auf eine mehr als ungewisse Zukunft, die voller Gefahren zu stecken scheint und Angst macht?
  • Ist die Berieselung mit nervösen, verblödenden Kindersendungen artgerecht, der sich viele Kinder jeden Tag stundenlang aussetzen?

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Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern. Jeder einzelne Punkt ist bereits eine Zumutung, in der Summe jedoch sind all diese Dinge eine Katastrophe für einen Menschen, der sich eigentlich in Ruhe entwickeln soll. Kommen häusliche Probleme hinzu, wie überstrenge oder total überforderte Eltern mit eigenen gravierenden Lebensproblemen, ist das Maß dessen, was ein Mensch in der Kindheit ertragen kann, endgültig voll.

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Wer nicht in der Kindheit schon krank ist, ist nicht gut genug untersucht worden

Die neueste Modediagnose heute lautet »Autismus«. Wer sich aus dem allgemeinen Wahnsinn ausklinkt und in eine eigene Welt flüchtet, ist schnell als »Autist« verschrien. Die Krankheit komme eben sehr unterschiedlich zum Ausdruck, sagt man, weshalb jede Abweichung von einer willkürlich gesetzten Norm in dieses Bild passt. Ein Kind ist in manchen Fächern besonders begabt? Hat wenige Freunde? Oder verbringt ganz gerne viel Zeit alleine? – Sicher ist es ein Autist. Damit ist für Ärzte und Therapeuten doch eine Abrechnungsgrundlage geschaffen und die Eltern müssen sich nicht mehr mit der Frage auseinandersetzen, weshalb sie nicht wirklich mit ihrem Kind klarkommen. »An uns liegt es nicht, UNSER Kind ist ein Autist!«

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Wer es nicht mit dem Rechnen hat, leidet unter »Dyskalkulie«. Und wem das Schreiben schwerfällt, ist sicher »Legastheniker«. Dass Menschen mit bestimmten Schwächen dies im Regelfall schon in der Kindheit durch starke Begabungen auf anderen Gebieten ausgleichen, interessiert in diesem Zusammenhang nicht: Wir wollen schließlich eine »Krankheit« behandeln, nicht etwas Gesundes bestärken.

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So gesehen passt die Pathologisierung der Kindheit ganz gut in die heutige Welt, die immer nach dem Fehler sucht, nie aber nach dem, was gut ist. Inzwischen bringt unsere Gesellschaft derart wenig Empathie für die nächste Generation auf, dass man sich fragen muss, ob wir nicht bereits allesamt Autisten sind: Ärzte! Therapeuten! Los geht´s! Jetzt gibt es richtig Arbeit für Euch ... 

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(up)


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